Gute Gesprächspartner

Sie möchten gut mit mir reden? Hier sind meine wichtigsten Tipps.

Aquarell: zwei Figuren im Gespraech mit sanften Sprechblasen

Was Sie über mich wissen sollten

Ich brauche Zeit zum Antworten – bitte warten Sie ab. Ich bin erwachsen und möchte auch so behandelt werden. Ich bin nicht dumm und verstehe alles, was gesprochen wird. Ich spreche nicht mit dem Mund, sondern mit einem Computer.

Begegnen Sie mir wertschätzend, positiv und zugewandt – mit der Erwartung, dass ich etwas zu sagen habe.

Ich brauche Zeit zum Antworten.
Bitte warten Sie ab.

Ich bin erwachsen.
Ich verstehe alles, was gesprochen wird.
Ich rede nur mit dem Computer statt mit dem Mund.

Damit ich gut antworten kann

Ich kann nicht mit dem Mund sprechen und meine Muskeln nicht richtig bewegen. Deshalb kann ich nicht mal eben irgendwo hingehen, mir etwas genauer ansehen, mitdiskutieren oder mir schnell selbst einen Überblick und eine Meinung verschaffen. Verstehen kann ich aber alles, was gesprochen wird.

Damit wir uns gut verständigen und ich antworten kann, hilft mir das:

  • Sagen Sie mir zuerst, was Sie wissen möchten – und stellen Sie mir dann einzelne, klare Fragen.
  • Geben Sie mir viel Zeit zum Antworten.
  • Geben Sie mir die Informationen, die ich zum Antworten brauche – ich kann sie mir nicht selbst beschaffen.

Ein Beispiel: Wenn ich angezogen werde und meine Assistentin fragt, was ich anziehen möchte, muss sie mir auch sagen, ob wir rausgehen und wie das Wetter ist. Erst dann habe ich die Informationen – und kann antworten.

Ich kann nicht mit dem Mund sprechen.
Ich kann mich nicht gut bewegen.
Darum kann ich nicht einfach irgendwo hingehen.
Ich kann mir Sachen nicht selbst ansehen.
Aber ich verstehe alles, was gesprochen wird.

So reden Sie gut mit mir:
Sagen Sie mir, was Sie wissen möchten.
Stellen Sie mir dann einzelne Fragen.
Geben Sie mir viel Zeit zum Antworten.
Geben Sie mir alle wichtigen Informationen.
Ich kann sie mir nicht selbst holen.

Ein Beispiel:
Meine Assistentin fragt: Was möchtest du anziehen?
Dann muss sie mir auch sagen:
Gehen wir raus? Wie ist das Wetter?
Dann weiß ich es und kann antworten.

Eine gute Grundhaltung

Gute Gespräche brauchen nicht nur die richtigen Techniken, sondern vor allem eine zugewandte Haltung. Zwei Dinge sind mir besonders wichtig:

  • Alle meine Äußerungen zählen. Ich spreche nicht nur über den Computer. Auch mein Blick, meine Mimik, meine Laute und meine Bewegungen gehören dazu – das ist mein Körper-ABC. Achten Sie auf alles und gehen Sie auf jede Äußerung ein, nicht nur auf das Gerät.
  • Treu dolmetschen – nicht für mich sprechen. Wenn meine Assistenz meine Worte für andere hörbar macht, gibt sie genau das weiter, was ich gesagt habe – wortgetreu und neutral, ohne etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu deuten. So bleibt es immer meine Aussage.

Wie Sie mir dabei Zeit lassen, mir die Wahl lassen und meine Sätze gemeinsam mit mir aufbauen, lesen Sie weiter unten bei den Partnerstrategien.

Wichtig ist eine gute Haltung.
Zwei Dinge sind mir besonders wichtig:

1. Alle meine Äußerungen zählen.
Ich rede nicht nur mit dem Computer.
Auch mein Blick und meine Laute sind wichtig.
Auch meine Bewegungen.
Bitte achten Sie auf alles.

2. Treu dolmetschen.
Meine Assistenz sagt genau das weiter, was ich sage.
Sie fügt nichts hinzu und lässt nichts weg.
So bleibt es meine Aussage.

Meine Karte: So reden Sie mit mir

Diese kurze Karte fasst das Wichtigste zusammen. Sie steht auch auf meinem Sprachcomputer.

Diese Karte sagt das Wichtigste.
Sie ist auch auf meinem Sprachcomputer.

Ich heiße Nele Diercks.
Ich verstehe alles, was gesprochen wird.
Bitte fassen Sie mich nicht einfach an.
Fragen Sie mich direkt.
Ich antworte mit Blicken, Lauten, Computer und Assistenz.
Bitte geben Sie mir Zeit.

Drei Grundregeln: Abwarten, Zusammenfassen, Vergewissern

  • Abwarten: Geben Sie mir genug Zeit zum Antworten.
  • Zusammenfassen: Fassen Sie meine bisherigen Äußerungen zusammen.
  • Vergewissern: Fragen Sie nach, ob Sie mich richtig verstanden haben.

Bitte machen Sie das:

  • Warten Sie ab.
  • Fassen Sie zusammen, was ich gesagt habe.
  • Fragen Sie nach: Habe ich Sie richtig verstanden?

Das macht gute Gesprächspartner aus

  • Zeit haben und sich Zeit lassen
  • Aufpassen und sich interessieren
  • Warten können – lange Pausen sind okay
  • Ehrlich sein und zugeben, wenn man nicht weiterweiß
  • Hilfe holen, wenn nötig
  • Geduldig, einfühlsam und respektvoll sein
  • Augenkontakt halten
  • Auf meine Zeichen achten und einfach und klar sprechen

Gute Gesprächspartner:

  • haben Zeit
  • können warten
  • sind geduldig und freundlich
  • achten auf meine Zeichen
  • sprechen einfach und klar

Partnerstrategien: So unterstützen Sie mich gut

Diese Strategien stammen aus der Forschung zur Schulung von Kommunikationspartnern – sie gehören zu den am besten belegten Hilfen in der Unterstützten Kommunikation. Und das Beste: Niemand muss als guter Gesprächspartner geboren sein – man kann es lernen. Sie geben mir die Mitteilungsmacht zurück. Tippen Sie auf eine Strategie, um mehr zu erfahren.

1. Mitzeigen (Modellieren) – vormachen, ohne eine Antwort zu verlangen
Nutzen Sie mein Kommunikationsmittel selbst mit: Zeigen Sie auf der Tafel mit oder buchstabieren Sie vor – während Sie normal sprechen. Verlangen Sie dabei keine Antwort. So lerne ich Sprache durch Vorbild, ganz ohne Druck.
2. Abwarten – die erwartungsvolle Pause aushalten
Warten Sie nach einer Frage ruhig und zugewandt – deutlich länger als gewohnt, innerlich bis 10–30 zählen. Eine Äußerung über Unterstützte Kommunikation dauert ein Vielfaches der gesprochenen Sprache. Lieber zweimal zu lang warten als einmal zu früh übernehmen.
3. So wenig Hilfe wie möglich – Hilfe in Stufen geben
Beginnen Sie mit der kleinsten Hilfe: erst abwarten, dann ein Hinweis (zur richtigen Stelle schauen), dann kurz vormachen, zuletzt mehr Hilfe – nur so viel wie nötig. Das lässt mir die größte Eigenleistung.
4. Offene Fragen – eine eigene Antwort einladen
Fragen Sie offen – „Was möchtest du?“ statt „Kaffee? Ja/Nein?“. Ja/Nein nur zum Absichern, nicht als einzige Tür. So bestimme ich selbst, was ich sage.
5. Nicht vorwegnehmen – meinen Satz nicht für mich beenden
Beenden Sie meinen Satz nicht, auch wenn Sie ihn zu erraten glauben. Bestätigen Sie jeden Buchstaben und warten Sie weiter. Raten ist erlaubt – aber als Frage („Meinst du …?“), nicht als Tatsache.
6. Mir etwas zutrauen – Kompetenz unterstellen
Gehen Sie davon aus, dass ich mehr verstehe, als ich zeigen kann. Sprechen Sie altersgerecht und normal mit mir – nicht über meinen Kopf hinweg und nicht in der dritten Person, wenn ich dabei bin.
7. Mitteilen statt abfragen – erzählen und kommentieren statt mich auszufragen
Worum es geht: Stellen Sie mir nicht ständig Testfragen, deren Antwort Sie schon kennen („Welcher Tag ist heute? Welche Farbe ist das?“). Das fühlt sich an wie eine Prüfung – und wer dauernd geprüft wird, sagt irgendwann nichts mehr. Besser: Teilen Sie mit, was Sie gerade denken oder erleben, und kommentieren Sie die Situation, in der wir zusammen sind. Beispiel: Statt mich auszufragen „Was machen wir hier?“ lieber erzählen: „Hier ist heute ganz schön viel los – mir ist das fast zu viel.“ So kann ich von mir aus einsteigen, ganz ohne Druck.
8. Raum zum Anfangen geben – mich selbst beginnen lassen
Worum es geht: Geben Sie nicht alles vor, sondern lassen Sie bewusst kleine Lücken, in denen ich von mir aus anfangen kann – statt nur auf Ihre Fragen zu antworten. Das heißt: echte Wahl offenlassen, eine Pause machen und sie aushalten, oder etwas nicht sofort stillschweigend für mich erledigen. Beispiel: Wenn beim Kaffee die Milch fehlt, holen Sie sie nicht wortlos – warten Sie kurz, damit ich selbst sagen kann, dass mir etwas fehlt. So entstehen Gespräche, die von mir ausgehen.
9. Laut bestätigen & mitschreiben – die Botschaft gemeinsam bauen
Melden Sie jeden Buchstaben laut zurück („D?“), warten Sie mein Ja oder Nein ab und schreiben Sie mit. So bleiben wir synchron, und ich kann sofort korrigieren. Stilles Raten baut Fehler ein, die später kaum zu finden sind.
10. Aufgreifen und erweitern – mein Wort aufnehmen und einen Schritt weiterbauen
Worum es geht: Wenn ich ein Wort oder einen Anfang gebe, nehmen Sie es auf und ergänzen Sie ein Stück – als Angebot zum Bestätigen, nicht als Korrektur. Beispiel: Ich zeige „Café“, Sie sagen: „Du möchtest ins Café – heute Nachmittag?“ und warten meine Antwort ab. So merke ich, dass Sie mich verstanden haben, und bekomme zugleich mehr Sprache zurück, an die ich anknüpfen kann.
11. Mein Kommunikationsmittel bereithalten – dafür sorgen, dass ich überhaupt reden kann
Worum es geht: Ich kann nur mitreden, wenn mein Sprachcomputer da ist: eingeschaltet, geladen, richtig montiert und in meiner Reichweite – mit dem Vokabular, das ich gerade brauche. Auch eine Buchstabentafel und mein Körper-ABC sollten griffbereit sein. Warum wichtig: Das klingt selbstverständlich, ist aber die Grundlage für alles andere – ohne mein Mittel bleibe ich stumm, egal wie gut die Fragen sind.

Grundlage u. a.: Kent-Walsh & McNaughton; O’Neill, Light & Pope (2018); Boenisch & Sachse (Uni Köln).

Diese Dinge helfen mir beim Reden:

  • Machen Sie es selbst vor.
  • Warten Sie ab. Geben Sie mir Zeit.
  • Helfen Sie nur so viel wie nötig.
  • Stellen Sie offene Fragen.
  • Sagen Sie meinen Satz nicht für mich.
  • Trauen Sie mir etwas zu.
  • Erzählen Sie mit. Fragen Sie mich nicht ab.
  • Lassen Sie mir Raum zum Anfangen.
  • Sagen Sie jeden Buchstaben laut. Schreiben Sie mit.
  • Nehmen Sie mein Wort auf und bauen Sie weiter.
  • Mein Sprach-Computer muss bereit sein: an, geladen und in der Nähe.

Richtig fragen – Schritt für Schritt

Gute Fragen sind der Schlüssel. So fragen Sie mich am besten – in vier Schritten. Probieren Sie unten die Skala und das Quiz aus.

Gute Fragen sind wichtig.
So fragen Sie mich am besten.
In vier Schritten.

  1. Offene Frage stellen

    Fragen Sie offen: „Was möchtest du?“, „Wie geht es dir?“ – oder sagen Sie, was Sie wissen wollen. So bestimme ich die Antwort selbst. Noch nicht mit Ja/Nein einengen.

  2. Abwarten

    Warten Sie ruhig und zugewandt. Eine Antwort über Unterstützte Kommunikation dauert lange – zählen Sie innerlich bis 10–30. Nicht nachschieben.

  3. Ko-konstruieren

    Bauen Sie meine Antwort gemeinsam mit mir auf: Buchstabe für Buchstabe oder Wort für Wort, mitdenken, jeden Schritt laut bestätigen.

  4. Überprüfen

    Sichern Sie zum Schluss ab, ob Sie mich richtig verstanden haben – mit dem passenden Werkzeug:

    Geht es um „wie viel / wie stark“ (eine Bewertung)? → Skala von 0 bis 10.
    Geht es nicht um eine Bewertung (etwas bestätigen)? → Ja/Nein-Frage.
    Wichtig: Ja/Nein nicht für Bewertungen – das engt ein. Für „wie viel/wie stark“ immer die Skala.

Die Skala 0 bis 10 ausprobieren

Für Bewertungen: „0 heißt gar nicht, 10 heißt ganz stark. Wo bist du?“ Tippen Sie eine Zahl:

Tippen Sie eine Zahl von 0 bis 10.

Welches Werkzeug passt?

0 / 0 richtig

So entstehen meine Sätze

Oft bauen wir meine Sätze gemeinsam – das heißt Ko-Konstruktion. Das geht auf drei Arten:

  • Buchstabe für Buchstabe: Ich zeige die Anfangsbuchstaben, und meine Assistenz setzt die Wörter zusammen.
  • Wort für Wort: Wir bauen ganze Sätze, manchmal schreiben wir sie auch auf.
  • Ja-Nein-Fragen: Mein Gegenüber fragt, ich nicke oder schüttele den Kopf. Das geht schnell, ist aber begrenzt – so entstehen leicht Missverständnisse.

Diese gemeinsame Arbeit ist wie ein Gerüst – Fachleute sagen Scaffolding. Mein Gegenüber gibt mir Halt, bis mein Satz steht, und diese Unterstützung ist immer da, wenn ich sie brauche. Sie spricht aber nicht an meiner Stelle, sondern hilft mir, das zu sagen, was ich meine. So bleibt es immer mein Satz und meine Aussage.

Wer mit mir oder anderen UK-Nutzenden gut sprechen möchte, findet bei AssistUK mehr dazu, was gute Assistenz ausmacht: Assistenz und Unterstützte Kommunikation.

Oft bauen wir meine Sätze zusammen.
Das geht auf drei Arten:

1. Mit Buchstaben.
2. Mit ganzen Wörtern.
3. Mit Ja-Nein-Fragen.

Ja-Nein-Fragen gehen schnell.
Aber es kann Missverständnisse geben.

Das Bauen zusammen ist wie ein Gerüst.
Mein Gegenüber gibt mir Halt.
Die Hilfe ist immer da, wenn ich sie brauche.
Aber es bleibt mein Satz.
Ich sage, was ich meine.