Ko-Konstruktion

Gemeinsam bauen wir, was ich sagen will – und ich entscheide.

Aquarell: zwei Figuren im Gespraech, eine Sprechblase entsteht gemeinsam

Was Ko-Konstruktion ist

Oft spreche ich nicht allein – mein Gegenüber und ich bauen meine Aussage gemeinsam. Das nennt man Ko-Konstruktion. Mein Gegenüber macht Vorschläge, und ich wähle aus, bestätige oder verbessere. So entsteht Wort für Wort, was ich sagen will.

Das Wichtigste daran: Die Entscheidung bleibt immer bei mir. Mein Gegenüber hilft mir, meine Worte zu finden – aber es spricht nicht an meiner Stelle.

Ich kann für mich selbst sprechen. Wenn mich jemand etwas fragt, gebe ich Signale und bestimme dadurch die Antwort selbst – nicht meine Assistenz. Ich bekomme Unterstützung beim Sprechen, so wie ich es will.

Oft baue ich meine Sätze nicht allein.
Mein Gegenüber hilft mir dabei.
Das heißt Ko-Konstruktion.

Mein Gegenüber macht Vorschläge.
Ich wähle aus, was richtig ist.
Ich entscheide. Immer.

Wie es bei mir funktioniert

So bauen mein Gegenüber und ich eine Aussage – Schritt für Schritt:

  1. Ich gebe den Anfangsbuchstaben

    Über mein Körper-ABC zeige ich den ersten Buchstaben des wichtigsten Wortes. Oft buchstabiere ich nur diese Schlüsselwörter – das hält das Gespräch schneller.

  2. Mein Gegenüber denkt mit

    Es verbindet den Buchstaben mit der Situation und mit dem, was es über mich weiß. Genau dieser Kontext ist entscheidend: Worum könnte es hier gehen? Welches Wort mit diesem Buchstaben passt zu dem, was wir gerade tun?

  3. Vorschläge – und ich wähle

    Mein Gegenüber fragt: „Meinst du …?“ Ich bestätige oder verneine – mit Ja/Nein, einem Laut oder einem Blick. So fällt die Auswahl bei mir.

  4. Wir bauen weiter

    Wort für Wort entsteht meine Aussage. Für längere oder ganz genaue Inhalte wechsle ich an meinen Sprachcomputer.

  5. Nachfragen und absichern

    Zum Schluss fasst mein Gegenüber zusammen: „Habe ich dich richtig verstanden?“ Ich bestätige – dann steht mein Satz.

So bauen wir eine Aussage zusammen:

1. Ich zeige den ersten Buchstaben.
2. Mein Gegenüber denkt mit: Was passt hier?
3. Mein Gegenüber fragt: „Meinst du das?“
4. Ich sage Ja oder Nein.
5. So bauen wir Wort für Wort.
6. Am Ende fragt mein Gegenüber: „Habe ich dich richtig verstanden?“

Vorschläge machen – die Auswahl liegt bei mir

Das Herz der Ko-Konstruktion sind Vorschläge. Mein Gegenüber rät mit – aber immer als Frage, nie als feststehende Tatsache. Also „Meinst du Müsli?“ statt „Du willst bestimmt Müsli.“ So bleibt die Wahl bei mir.

Niemand legt mir Worte in den Mund. Mein Gegenüber schlägt vor – ich entscheide. Wenn ein Vorschlag nicht stimmt, sage ich Nein, und wir suchen weiter. Auch „Nein“ ist eine wichtige Antwort.

So hilft es mir

  • als Frage raten: „Meinst du …?“, „Geht es um …?“
  • einen Vorschlag machen und dann abwarten
  • mein Nein ernst nehmen und weitersuchen
  • mich entscheiden lassen

Das hilft mir nicht

  • meinen Satz für mich zu Ende sprechen
  • raten und einfach weitermachen, ohne zu fragen
  • für mich entscheiden, was ich meine
  • nur Ja/Nein anbieten, wo eine offene Frage passt

Mein Gegenüber macht Vorschläge.
Immer als Frage: „Meinst du das?“
Nicht als feste Behauptung.

Ich wähle aus.
Wenn etwas falsch ist, sage ich Nein.
Dann suchen wir weiter.
Niemand sagt meinen Satz für mich.

Wenn etwas nicht ankommt – gemeinsam reparieren

Manchmal versteht mein Gegenüber etwas falsch. Das ist normal – und kein Problem, solange wir es gemeinsam wieder geradebiegen. Dann zeige ich das deutlich: „Warte“, „Falsch“, „noch mal“.

Wir fangen neu an, ich gebe einen weiteren Hinweis oder den ersten Buchstaben noch einmal. Wichtig ist nur: Ich darf zeigen, wenn etwas nicht stimmt – und mein Gegenüber achtet darauf, statt einfach weiterzumachen.

Manchmal versteht mein Gegenüber etwas falsch.
Das ist normal.

Dann zeige ich: „Falsch“ oder „Warte“.
Wir fangen noch einmal an.
Ich gebe einen neuen Hinweis.
So finden wir es zusammen heraus.

Warum das so wichtig ist

Ko-Konstruktion gibt mir die Mitteilungsmacht zurück. Wie gut sie gelingt, hängt stark davon ab, wie gut mein Gegenüber das Mitdenken und Vorschlagen beherrscht – bis hin zu ganz normalen, erwachsenen Gesprächen.

Dieses anspruchsvolle Mitdenken übernimmt im Alltag vor allem meine qualifizierte, in Unterstützter Kommunikation geschulte Assistenz. So muss nicht jede und jeder UK-Fachmann sein: Freundinnen, Familie und Nachbarn können in ihrer Rolle bleiben – meine Assistenz hilft beim Verstehen, ersetzt die Beziehung aber nicht. Niemand muss als guter Partner geboren sein: Wer möchte, kann das Mitdenken lernen und üben – ein Muss ist es nicht.

Ein Gespräch über Unterstützte Kommunikation ist langsamer: Statt 120 bis 180 Wörtern pro Minute sind es oft nur 2 bis 25. Diese Zeit ist gut investiert – sie ist der Preis dafür, dass ich wirklich selbst zu Wort komme.

Mehr dazu: Gute Gesprächspartner, Mein Körper-ABC und Mein Sprachcomputer.

Ko-Konstruktion ist sehr wichtig für mich.
So komme ich selbst zu Wort.

Das Mitdenken ist schwer.
Das macht meine Assistenz.
Sie kann Unterstützte Kommunikation gut.
Freunde und Familie müssen das nicht können.
Wer möchte, kann es aber lernen.

Ein Gespräch mit mir dauert länger.
Diese Zeit ist gut investiert.

Jetzt üben

Ko-Konstruktion kann man üben. Auf der nächsten Seite finden Sie Mitmach-Übungen: Buchstabe und Kontext kombinieren, gute Reaktionen wählen und zu zweit trainieren.

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