Unterstützte Kommunikation verstehen

Die wichtigsten Punkte zu meiner Kommunikation – und wie Sie ein guter Gesprächspartner werden.

Aquarell: zwei Figuren im Gespraech, eine Sprechblase entsteht gemeinsam

Auf dieser Seite fasse ich das Wichtigste zusammen: Was Unterstützte Kommunikation ist, wie ich auf mehreren Wegen spreche, wie wir meine Sätze gemeinsam bauen – und wie Sie mir ein guter Gesprächspartner werden. Zu jedem Thema gibt es bei mir auch eine ausführliche Seite.

Auf dieser Seite steht das Wichtigste über Unterstützte Kommunikation.
So spreche ich.
So bauen wir Sätze zusammen.
So werden Sie ein guter Gesprächspartner.
Zu jedem Thema gibt es eine eigene Seite.

1. Was ist Unterstützte Kommunikation?

Manche Menschen können nicht mit dem Mund sprechen – wegen einer Behinderung, Krankheit oder nach einem Unfall. Mit Unterstützter Kommunikation (kurz: UK) können sie sich trotzdem mitteilen. UK ist nicht nur ein Gerät, sondern drei Dinge zusammen: Methoden, Hilfsmittel und vor allem die Haltung der Gesprächspartner.

Wichtigster Punkt: UK gelingt nur im Zusammenspiel. Das beste Gerät nützt nichts ohne ein Gegenüber, das Zeit lässt und mitdenkt.

Manche Menschen können nicht mit dem Mund sprechen.
Sie sprechen mit Unterstützter Kommunikation.
Kurz sagt man: UK.

UK ist mehr als ein Gerät.
Wichtig sind auch gute Gesprächspartner.
Sie müssen Zeit haben und mitdenken.

2. Wie ich kommuniziere: auf mehreren Wegen

Ich verstehe alles, was gesprochen wird, kann aber nicht mit dem Mund sprechen und meine Muskeln nicht gezielt bewegen. Deshalb rede ich auf mehreren Wegen gleichzeitig – das nennt man multimodal:

  • Sprachcomputer mit Augensteuerung: Ich gebe Anfangsbuchstaben ein, wähle aus Wortvorschlägen, der Computer spricht. Mein Vokabular heißt Scripo Pro. (Mein Sprachcomputer)
  • Körper-ABC: Laute und Körper-Zeichen für Buchstaben – ganz ohne Gerät. (Mein Körper-ABC)
  • Blick, Mimik, Laute und Bewegungen: Auch das sind echte Äußerungen.
Wichtigster Punkt: Alle meine Äußerungen zählen – nicht nur das, was über den Computer kommt. Der rote Faden durch alle Wege ist der erste Buchstabe.

Ich verstehe alles, was gesprochen wird.
Aber ich kann nicht mit dem Mund sprechen.
Darum rede ich auf mehreren Wegen:

• mit dem Sprach-Computer und den Augen
• mit meinem Körper-ABC
• mit Blick, Lauten und Bewegungen

Alle meine Zeichen sind wichtig.
Bitte achten Sie auf alles.

3. Ko-Konstruktion: gemeinsam bauen, ich entscheide

Oft spreche ich nicht allein. Mein Gegenüber und ich bauen meine Aussage gemeinsam – Schritt für Schritt:

  1. Ich gebe den Anfangsbuchstaben des wichtigsten Wortes (über mein Körper-ABC).
  2. Mein Gegenüber denkt mit: Welches Wort passt zur Situation?
  3. Es macht einen Vorschlag – immer als Frage: „Meinst du Müsli?“
  4. Ich wähle: Ja oder Nein, mit Laut oder Blick. Für längere Inhalte wechsle ich an den Sprachcomputer.
  5. Zum Schluss sichern wir ab: „Habe ich dich richtig verstanden?“
Wichtigster Punkt: Die Entscheidung bleibt immer bei mir. Mein Gegenüber hilft mir, Worte zu finden – es spricht nicht an meiner Stelle. Auch „Nein“ ist eine wichtige Antwort.

Mehr dazu: Ko-Konstruktion und Ko-Konstruktion üben.

Oft baue ich meine Sätze nicht allein.
Mein Gegenüber hilft mir dabei.

1. Ich zeige den ersten Buchstaben.
2. Mein Gegenüber denkt mit.
3. Mein Gegenüber fragt: „Meinst du das?“
4. Ich sage Ja oder Nein.
5. So bauen wir Wort für Wort.

Ich entscheide. Immer.
Niemand sagt meinen Satz für mich.

4. Kontextwissen: die unsichtbare Voraussetzung

Ich kann mir Informationen nicht selbst beschaffen – nicht mal eben hingehen, nachsehen oder mir einen Überblick verschaffen. Wer eine sinnvolle Antwort von mir möchte, muss mir den Kontext mitliefern: erst sagen, worum es geht, dann einzelne klare Fragen stellen und mir die nötigen Informationen geben.

Beispiel: „Was möchtest du anziehen?“ kann ich erst beantworten, wenn ich auch weiß: Gehen wir raus? Wie ist das Wetter?

Wichtigster Punkt: Eine gute Frage enthält schon die nötigen Infos. Kontext geben ist kein Vorsagen – es ist die Bedingung dafür, dass ich selbst entscheiden kann.

Ich kann mir Infos nicht selbst holen.
Darum brauche ich Ihre Hilfe.

Sagen Sie mir zuerst, worum es geht.
Geben Sie mir alle wichtigen Infos.
Dann kann ich antworten.

Ein Beispiel:
Sie fragen: Was möchtest du anziehen?
Sagen Sie mir auch: Gehen wir raus?
Wie ist das Wetter?

5. Partnerstrategien

Diese Strategien stammen aus der Forschung zur Schulung von Kommunikationspartnern – sie gehören zu den am besten belegten Hilfen in der UK. Niemand muss als guter Gesprächspartner geboren sein: man kann es lernen.

  • Modellieren – das Kommunikationsmittel selbst mitnutzen/vormachen, ohne eine Antwort zu verlangen.
  • Abwarten – die Pause aushalten (innerlich bis 10–30 zählen).
  • So wenig Hilfe wie möglich – Hilfe in Stufen, nur so viel wie nötig.
  • Offene Fragen – „Was möchtest du?“ statt nur Ja/Nein.
  • Nicht vorwegnehmen – meinen Satz nicht für mich beenden; raten nur als Frage.
  • Kompetenz zutrauen – altersgerecht und direkt mit mir sprechen.
  • Mitteilen statt abfragen – erzählen und kommentieren statt Testfragen.
  • Raum zum Anfangen geben – Lücken lassen, nicht alles für mich erledigen.
  • Laut bestätigen & mitschreiben – jeden Buchstaben zurückmelden, Ja/Nein abwarten.
  • Aufgreifen und erweitern – mein Wort aufnehmen und einen Schritt weiterbauen.
  • Kommunikationsmittel bereithalten – Sprachcomputer an, geladen und in Reichweite.
Auf eine Kurzformel gebracht – drei Grundregeln: Abwarten → Zusammenfassen → Vergewissern.

Grundlage u. a.: Kent-Walsh & McNaughton; O’Neill, Light & Pope (2018); Boenisch & Sachse (Uni Köln).

Diese Dinge helfen mir beim Reden.
Jeder kann das lernen.

• Machen Sie es selbst vor.
• Warten Sie ab. Geben Sie mir Zeit.
• Helfen Sie nur so viel wie nötig.
• Stellen Sie offene Fragen.
• Sagen Sie meinen Satz nicht für mich.
• Trauen Sie mir etwas zu.
• Erzählen Sie mit. Fragen Sie mich nicht ab.
• Lassen Sie mir Raum zum Anfangen.
• Sagen Sie jeden Buchstaben laut.
• Nehmen Sie mein Wort auf und bauen Sie weiter.
• Mein Sprach-Computer muss bereit sein.

Kurz: Warten. Zusammenfassen. Nachfragen.

6. So werden Sie ein guter Gesprächspartner

Haltung zuerst, Technik danach. Zwei Dinge sind mir besonders wichtig:

  • Alle Äußerungen zählen – achten Sie auf Blick, Mimik, Laute und Bewegungen, nicht nur auf das Gerät.
  • Treu dolmetschen – wenn meine Assistenz meine Worte hörbar macht, gibt sie sie wortgetreu und neutral weiter, ohne etwas hinzuzufügen, wegzulassen oder zu deuten. So bleibt es meine Aussage.

Dazu hilft mir: Zeit haben und sich Zeit lassen, warten können (lange Pausen sind okay), aufmerksam und interessiert sein, ehrlich zugeben, wenn man nicht weiterkommt, geduldig und respektvoll sein, Augenkontakt halten, einfach und klar sprechen. Und ganz praktisch: nicht ungefragt anfassen und direkt mit mir reden – nicht in der dritten Person über mich.

Wichtigster Punkt: Gute Gesprächspartner geben mir die Mitteilungsmacht zurück. Das ist erlernbar – und die wirksamste Hilfe überhaupt.

Ausführlich: Gute Gesprächspartner.

Wichtig ist eine gute Haltung.
Zwei Dinge sind mir besonders wichtig:

1. Alle meine Zeichen zählen.
Achten Sie auf Blick, Laute und Bewegungen.

2. Treu dolmetschen.
Meine Assistenz sagt genau das weiter, was ich sage.
Sie fügt nichts hinzu und lässt nichts weg.

Bitte fassen Sie mich nicht einfach an.
Reden Sie direkt mit mir.

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